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Bachmayer:
Es ist eine breite Themenpalette, die da beim dreitägigen EU-Lateinamerikatreffen zur Debatte steht. Vom Abbau von Handelsbarrieren, etwa Zöllen, über die Umwelt bis hin zu Menschenrechtsfragen und der immer größer werdenden Kluft wischen arm und reich. Fabio Polly hat mit der österreichischen Außenministerin Ursula Plassnik, die derzeit auch EU-Ratsvorsitzende ist über die Erwatungen für den Gipfel gesprochen.
Red. Polly:
Frau Minister, ihr Staatssekretär hat den Gipfel schon als historisch bezeichnet, wird’s ein historisches Ergebnis geben?
Plassnik:
Wir werden das nachher beurteilen. Aber es ist ein außergewöhnlicher Gipfel. Es hat noch kein Land außerhalb des iberoamerikanischen Zusammenhanges gegeben, wenn man so will, das eine derartige Veranstaltung organisiert hat, sich die Mühe gemacht hat, hier einen Impuls geben zu wollen, eine Plattform zu schaffen, aus der wir gemeinsam ausloten können: Was für ungenützte Möglichkeiten gibt es eigentlich in den Beziehungen zischen der Europäischen Union und Lateinamerika.
Red. Polly:
Bleiben wir noch einen Augenblick beim Ergebnis. Wird’s ein Ergebnis geben?
Plassnik:
Ein Ergebnis wird jedenfalls schon sein, dass wir uns miteinander über unsere gemeinsamen Anliegen, wohl auch gelegentlich über das Trennende, unterhalten werden. Denn ein Ergebnis ist nicht in erster Linie ein Dokument. Auch das planen wir, dass wir hier gemeinsam ein Dokument verabschieden, das die Bandbreite unserer Beziehungen und die Fortschritte, die in den einzelnen Bereichen erzielt worden sind, widerspiegelt. Aber das allein ist kein Ergebnis. Der entscheidende Punkt ist, ob wir zu einem besseren Verständnis füreinander kommen, ob wir gemeinsam eine Aufgabenliste für die Zukunft definieren können.
Red. Polly:
Auf dieser Aufgabenliste könnte etwas stehen, was seit sieben Jahren nicht gelingt, nämlich im Mercosur, also dem Zusammenschluss lateinamerikanischer Staaten in einer Art Wirtschaftsgemeinschaft Agrar- und Industriezölle abzubauen. Wird’s da einen Durchbruch geben?
Passnik:
Wir hätten es uns gewünscht und wir haben darauf hin gearbeitet hier in Wien einen Durchbruch zu erzielen. Das wird nach jetziger Einschätzung nicht möglich sein.
Red. Polly:
Jetzt gibt’s namhafte Experten die sagen Europa sieht im Augenblick nicht alle Chancen, die es im Moment in Lateinamerika gäbe. Beispiel ist der Agrarbereich. Wird sich da etwas weiter bewegen?
Plassnik:
Dieses Treffen ist eben ein Anlass um noch nicht genützte, oder nicht hinreichend genützte Möglichkeiten besser sichtbar zu machen, sich darüber im Klaren zu werden.
Red. Polly:
Nun ist Lateinamerika grosso modo gesprochen „links“, während die Europäische Union eher als konservativ einstufbar ist. Ist da eine ideologische Trennung, eine Barriere bei allen möglichen Verhandlungen?
Plassnik:
Worauf es ankommt, viel mehr als auf die Farbbezeichnungen oder die Spektralbeurteilungen, ist: was sind gute Ansätze zur Lösung der Probleme die es gibt. Die Probleme, die Lateinamerika hat, sind enorm. Das Thema soziale Kohäsion: also wie schafft man einen Zusammenhalt, wie verringert man diese unglaubliche Kluft zwischen arm und reich. Hier haben die bisherigen Rezepte in Wirklichkeit nicht den gewünschten Erfolg, nicht den Durchbruch gebracht.
Red. Polly:
Während des Lateinamerikagipfel gibt’s auch den Alternativgipfel. Werden sie eine Veranstaltung des Alternativgipfels besuchen?
Plassnik:
Ich werde keine Veranstaltung des Alternativgipfels besuchen. Aber es gibt eine Reihe von Querverbindungen und interessanten Anregungen die es hier gibt. Ich habe gerade vor Ihnen jetzt ein langes Gespräch mit Menschenrechtsaktivistinnen geführt, die sich für Frauenrechte in Lateinamerika einsetzen. Hier gibt es noch viel zu tun.